Es geht nur solidarisch

Die Kammern zu kritisieren, ist derzeit offenbar modern. Oft sind die Beweggründe dafür allzu durchsichtig.

Kein Tag vergeht ohne Breitseiten auf die Kammern. Politikern fällt dies offenbar besonders leicht – doch das hat einen simplen Hintergrund: Wie alljährliche Umfragen zeigen, vertrauen konstant gut 55 Prozent den Kammern – aber nur 18 Prozent den Parteien. Was liegt näher, als sich der lästigen Konkurrenz zu entledigen? Auf Radio Tirol wurde diese Woche ebenfalls über die Kammern diskutiert und abgestimmt: 87 Prozent der Hörer haben sich für die Pflichtmitgliedschaft ausgesprochen.

Auch ein Blick über die Grenzen ist aufschlussreich. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat die Vorteile einer solidarischen Vertretung auf den Punkt gebracht: "Private Verbände mit freiwilliger Mitgliedschaft ... können nicht im gleichen Maße die Belange und Interessen aller in einer Region tätigen Gewerbetreibenden ermitteln und vertreten wie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Pflichtmitgliedschaft und Pflichtbeiträgen. Wäre die Mitgliedschaft freiwillig, bestünde zudem ein Anreiz, als "Trittbrettfahrer" von den Leistungen der Kammer zu profitieren." Und diese Vorteile sollen wirklich fragwürdigen Lobbygruppen und wildgewordenen Populisten geopfert werden?

Dass sich die Strukturen der Kammern laufend anpassen müssen, hat speziell die Wirtschaftskammer mit drei Reformen in den letzten Jahren bewiesen. Die WK wird sich auch in Zukunft nicht vor Neuerungen scheuen und Innovationen umsetzen – aber mit Mut und nicht mit Wut, meint

Euer Rabe

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Abgerufen am: 11.12.2017