Situationselastisch

Schlechte Nachricht für AK & ÖGB: Ausgerechnet die Länder mit den längsten Höchstarbeitszeiten sind soziale Vorzeigestaaten.

Ich lausche derzeit gespannt den Weltuntergangsszenarien, die so manche bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit in tiefschwarzen Tönen zeichnen. So höre ich, dass fallweise 12-Stunden-Tage den sozialen Frieden gefährden, die Krankenstände in ungeahnte Höhen treiben und einen unfassbaren Lohnraub darstellen.

Ich bringe dann gerne ein Beispiel: In mehreren europäischen Ländern gibt es überhaupt keine maximale gesetzliche Arbeitszeit, zum Beispiel in Schweden und Finnland, in einigen anderen sind deutlich höhere Maximalgrenzen als zehn Stunden zulässig, etwa 13 Stunden in Dänemark. So weit, so gut. Nach der Logik von ÖGB & Co müsste dort der Arbeitnehmerschutz am Boden liegen und der Ausbeutung Tür und Tor geöffnet sein. Tatsächlich haben aber Schweden, Finnland und Dänemark die geringsten durchschnittlichen Arbeitszeiten aller Vollzeitbeschäftigten in Europa - weit entfernt von den möglichen Maximalgrenzen. Das kann nur bedeuten: Dort werden längere Arbeitstage ausschließlich situationselastisch genutzt – eben dann, wenn der Hut brennt und Auftragsspitzen zu erledigen sind, wie es in Österreich vorgesehen ist. Zudem werden genau diese Staaten oft als Vorbild für ihre ausgeprägte Sozialstaatlichkeit genannt.

An diesem Punkt kommen mir die Gesprächspartner meist abhanden, murmeln Begriffe wie "Ausbeuter", "Kapitalist" und "Kampfmaßnahmen" und biegen so elastisch ums Eck, dass man kaum mit dem hinschauen nachkommt, meint

Euer Rabe

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Abgerufen am: 17.07.2018